[Kooperationspartner] African Tide e.V. Dortmund, Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe, Bäckerinnungs-Verband Westfalen Lippe, Handwerkskammer Dortmund, VMDO e.V. – Haus der Vielfalt, Westdeutscher Handwerkskammertag, AWO KV Bielefeld

[Zeitraum] September – Dezember 2014 / 107 Unterrichtstunden (30 Stunden Theorie, 77 Stunden Praxis in Bildungszentrum und Betrieb)

[Besonderheit] Begleitung der Maßnahme durch zwei Sprachcoaches


Praxisnah und passgenau

Chef clapping hands full of flour over fresh doughEin Pilotprojekt der Handwerkskammer Dortmund mit Vorbildcharakter: Eine Qualifizierung für Fachhelfer im Bäckerhandwerk für Menschen mit Migrationsgeschichte zeigt, wie die Teilnehmer vom integrierten Fach- und Sprachlernen profitieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können.

Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, den Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt zu erleichtern – in einer Branche, die Fachkräfte benötigt. Das waren die Grundlagen für eine besondere Kooperation, zu der im Herbst 2014 mehrere Partner zusammengefunden hatten. Die Klammer, die alle verband: das „IQ“-Netzwerk NRW, aus deren Mitteln die Maßnahme finanziert wurde.

Die Vorbereitung, Durchführung und Leitung der Qualifizierung oblag der Handwerkskammer Dortmund, die für die Vermittlung der fachlichen Inhalte die Erste Bäckerfachschule Olpe beauftragte. Die Fachschule stellte Dozenten und Räumlichkeiten zur Verfügung. Der Verein African Tide hatte zunächst die späteren Teilnehmenden der Qualifizierungsmaßnahme als Bewerber empfohlen, übernahm dann die sozialpädagogische Betreuung. Die AWO Bielefeld war für die fachspezifische Sprachbetreuung der Teilnehmer zuständig, während der Westdeutsche Handwerkskammertag Düsseldorf die Koordinierung des gesamten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ in NRW verantwortete.

„Fachhelfer/innen-Qualifizierung im Bäckerhandwerk für Menschen mit Migrationshintergrund und beruflicher Vorerfahrung“ hieß die Maßnahme offiziell. Unter dem Motto „Heute Helfer. Morgen Fachkraft“ nahmen insgesamt elf Menschen das Angebot wahr. Über die individuelle berufliche und sprachliche Qualifizierung sollten sie, anknüpfend an ihr berufliches Können und Wissen im Bäckerhandwerk, praxisnahe Grundlagen für eine Beschäftigung als Fachhelfer erlangen, Betriebskontakte knüpfen sowie den Einstieg in Beschäftigung und Qualifizierung zum Gesellen finden und fachsprachliche Grundlagen erhalten. Neben Fachunterricht standen auch Praxistage auf dem Stundenplan.

„Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Maßnahme erfolgreich absolviert“, berichtet Andreas Wojcik von der Handwerkskammer Dortmund. „Ihre Motivation war durchweg sehr hoch, darüber hinaus hat die Kooperation mit allen Projektpartnern hervorragend geklappt.“

Eine Besonderheit der Qualifizierungsmaßnahme lag in der intensiven Begleitung durch zwei Sprachcoaches. Das Verzahnen von Fach- und Sprachlernen ist noch relativ jung. „Für uns war das in der Form Neuland“, sagt Andreas Wojcik, „die Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, waren aber sehr gut.“ Die Handwerkskammer sei sehr interessiert, auch in Zukunft ähnliche Projekte zu realisieren.

Zwei erfahrene Sprachcoaches hatten den Teilnehmern zur Seite gestanden. Sie begleiteten die Unterrichtstage und führten einen Sprachworkshop durch. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, im Rahmen eines Einzelcoachings individuell an ihren sprachlichen Fähigkeiten zu arbeiten.

Klaus Wichmann war einer der beiden Sprachcoaches. „Durch den Austausch mit dem sehr engagierten Fachlehrer der Bäckerfachschule Olpe konnten wir bereits an einem frühen Zeitpunkt erreichen, dass die fachtheoretischen Inhalte in einer dem Sprachniveau der Teilnehmer angemessenen Form präsentiert wurden“, blickt er zurück. „Vor allem jedoch haben wir im Einzelcoaching zum Beispiel das Instrument der subjektiven und objektiven Sprachbedarfsermittlung eingesetzt“, führt er aus, „um die Anforderungen in dem Berufsfeld sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Kommunikation gemeinsam mit der jeweiligen Teilnehmerin und dem jeweiligen Teilnehmer aufzuzeigen.“

Die Themen des Sprach-Workshops waren so vielfältig wie das Berufsfeld selbst. Sicherheit und Kommunikation am Arbeitsplatz spielten ebenso eine Rolle wie das Gewerberecht oder das Verständnis von Fachbegriffen. Dazu zählten Worte wie „Einstufensauerteigführung“, „Anstellgut“ oder „Infektionsschutzgesetz“. So haben die Teilnehmer individuelle Lernstrategien entwickelt, um zum Beispiel mit der 5-Schritt-Lesemethode den Inhalt komplexer Fachtexte knacken zu können.

Auch aus Sicht der Sprachcoaches war die Qualifizierungsmaßnahme ein Erfolg: „So wie die durchgeführte Fachhelferqualifizierung sicherlich zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit der Teilnehmer im Bereich Bäckerhandwerk beigetragen hat, so gehen wir Sprachcoaches davon aus, dass auch in allen anderen Gewerken des Handwerks diese Form der Qualifikation sehr sinnvoll und effektiv eingesetzt werden kann, um die Chancen von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen“, ziehen die beiden ein positives Fazit.