„komma-NRW- Kommunikation am Arbeitsplatz“ Projektverbund für arbeitsplatzbezogenes Deutsch in Betrieben und Unternehmen

Die Arbeitswelt wandelt sich, quer durch alle Branchen und Berufe. Die Anforderungen am Arbeitsplatz werden immer komplexer – in Wort und Schrift. Mal geht es um gestiegene Dokumentationspflichten, mal um die Kommunikation mit Kunden. Wissen und Fähigkeiten stehen ständig auf dem Prüfstand. Dieser Wandel der Arbeitswelt fordert alle Beteiligten. Unternehmen, Arbeitnehmer, Bildungsträger. Zugewanderte Menschen stehen vor einer besonderen Herausforderung: gute berufsbezogene Deutschkenntnisse sind heute unverzichtbar. Das Projekt verbindet die individuelle Förderung von Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, mit den Anforderungen in verschiedenen Berufsfeldern. „komma-NRW“ wurde 2013 und 2014 durch das IQ Landesnetzwerk gefördert und an drei Standorten umgesetzt: Duisburg, Bonn, Bielefeld.

 

VHS Duisburg: Sprachschulung für Facharbeiter

Sprachtraining in vielen Branchen:  Die VHS Duisburg stand im Rahmen von „komma-NRW“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus ganz unterschiedlichen Branchen zur Seite. Kurse für Bauarbeiter, Lagerlogistiker und Ingenieure waren ebenso Teil des Sprachtrainings wie ein Einzeltraining für Optiker, Pflegekräfte oder Immobilienmanager. Sie alle verbesserten Schritt für Schritt mit Sprachlehrern vor Ort ihr berufsbezogenes Deutsch. Zentraler Ausgangspunkt für jedes Sprachtraining war eine Bedarfsermittlung in den Betrieben. Zu den Projektpartnern aus Duisburg und Umgebung gehörte u.a. das Unternehmen Vollmer Bau:

„Fünf Facharbeiter aus Polen haben bei uns angefangen. Die brauchen jetzt Deutschunterricht. Wichtig ist, dass sie sich möglichst schnell verständigen können, die Sicherheitsanweisungen verstehen und sich mit den anderen Mitarbeitern verständigen können.“ Mit diesen Worten kam Herr Apelt, technischer Leiter der Firma Vollmer Bau, auf die Volkshochschule Duisburg zu und bat um ein optimales Angebot für die Mitarbeiter. Die VHS führte ein erstes Gespräch vor Ort – über den optimalen zeitlichen Rahmen, den Lernort, über Möglichkeiten für die Facharbeiter, die Inhalte des Sprachangebotes, den Kursleiter und über die Wünsche der Mitarbeiter und der Firma. Der Polnisch sprechende Kursleiter war dabei eine große Hilfe. Nach drei Monaten mit berufsbezogenem Deutschunterricht – dreimal pro Woche zwei Stunden – konnten sich die Mitarbeiter schon bestens verständigen. Sogar kleine sprachliche Besonderheiten des Ruhrpotts waren ihnen schnell bekannt. Der überaus zufriedene Auftraggeber verlängerte den Auftrag. Die Mitarbeiter waren einverstanden und bereit, nach der Arbeit weiterhin die Sprache zu lernen und damit ihre beruflichen Aussichten zu verbessern.

 

Bildungswerk für Friedensarbeit Bonn: Sprachtraining für Auszubildende in der Altenpflege

Fit in Wort und Schrift für die Pflege: Das Schulungsangebot richtete sich im Rahmen von „komma-NRW“ speziell an Einrichtungen aus dem Bereich der Alten- und Krankenpflege – von Seniorenheimen über Krankenhäuser bis zu Berufsschulen. Schulungen und individuelles Sprachtraining fanden in der Region Bonn, Köln, dem Rhein-Sieg-Kreis sowie dem Rhein-Erft-Kreis statt. Dabei übten Altenpflegekräfte und -schüler in Seniorenzentren, ambulanten Pflegediensten oder Altenpflegeschulen unter anderem, wie sie Gespräche mit pflegebedürftigen Bewohnern und Angehörigen führen, ärztliche Anweisungen und Arztbriefe besser verstehen und Pflegeberichte oder Aufnahmeprotokolle verständlicher schreiben können.

Der Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe (BV) ist einer der drei großen Altenpflegeschulen in Bonn mit mehr als 300 Auszubildenden. Das Training sollte sowohl die mündliche als auch die schriftliche Kommunikationsfähigkeit der Auszubildenden am Arbeitsplatz, d.h. im fachpraktischen Teil der Ausbildung erhöhen. Da die Auszubildenden mit Migrationshintergrund im schulischen Teil der Ausbildung mit vielen verschiedenen Textsorten zu tun haben, galt es auch den Umgang mit diesen Texten und vor allem das Leseverständnis von Fach- und juristischen Texten zu trainieren. Für das Sprachtraining wurde ein auf Modulen aufbauendes Konzept entwickelt, das sich inhaltlich an dem Curriculum der Ausbildungsverordnung orientierte. Die Inhalte der Module wurden im Laufe des Trainings den Bedürfnissen der Teilnehmenden angepasst. Thematische Schwerpunkte waren das Schreiben im beruflichen Alltag, die Kommunikation und Gesprächsführung in der Altenpflege, der Umgang mit medizinischer und juristischer Fachsprache/Bedeutung verschiedener Sprachebenen sowie die Begleitung ausbildungsspezifischer Anforderungen. Das Interesse der Geschäftsführung und der Schulleitung an der sprachlichen Entwicklung der Auszubildenden war sehr groß. Es fand ein reger Austausch über die individuellen Lernfortschritte und Fördermöglichkeiten einzelner Teilnehmer statt.  Am Ende des Durchführungszeitraums wurde der Bedarf festgestellt, allen Fachdozenten eine Schulung im Bereich Sprachsensibilisierung anzubieten. Geschult wurden insgesamt 22 Personen. Die Teilnehmer waren sehr motiviert und lernbereit. Der starke Handlungsbezug und die sehr individuelle Spracharbeit an authentischen Materialien führten zu schnellen Lernerfolgen. Die Hilfestellung bei der Prüfungsvorbereitung milderte bei vielen Teilnehmenden das Gefühl, durch die Ausbildung überfordert zu sein.

 

Internationaler Bund Bielefeld

Der Internationale Bund Bielefeld hat im Rahmen von „komma-NRW“ zahlreiche Projekte in verschiedenen Branchen von der Gastronomie bis zum Handwerk realisiert. Das auf die betrieblichen Anforderungen abgestimmte Sprachtraining hat Küchenhelfern in der Mensa ebenso geholfen wie Reinigungskräften, ihre Kommunikation mit den Kollegen zu verbessern, Anweisungen der Vorgesetzten besser zu verstehen und mit Kunden ohne Missverständnisse zu kommunizieren. Zu den bisherigen Projektpartnern zählen u.a. das Studentenwerk Bielefeld, das Tagungshaus Einschlingen, der Immobilienservicebetrieb der Stadt Bielefeld und Bethel.

 

Kommunikation mit dem Gast – neue Aufgaben in der Mensa des Studentenwerks Bielefeld

16 verschiedene Muttersprachen werden in der Küche der Universitäts-Mensa in Bielefeld gesprochen – von insgesamt ca. 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aus rund 100 verschiedenen Ländern kommen die Studierenden der Universität. In der Mensa und der Cafeteria treffen viele Sprachen aufeinander, eine gemeinsame zweite Sprache ist vonnöten. Das Studentenwerk macht deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit nichtdeutscher Muttersprache fit für die täglichen Kundenkontakte, die in der umgebauten Mensa noch viel häufiger vorkommen als zuvor. Zusammen mit dem Sprachinstitut Bielefeld des Internationalen Bundes ist im Rahmen des IQ-Modellprojekts „komma-NRW“ ein maßgeschneidertes Deutschtraining konzipiert worden, das Vokabeln und Grammatik, Fachwissen und Ausdrucksweise ebenso wie Verhaltensweisen in besonderen Situationen enthält. In kleinen Lerngruppen mit nur vier Personen haben die Mensa-Mitarbeiterinnen zweimal pro Woche je drei Stunden gelernt und trainiert.

 

Fachtag „Berufsbezogenes Deutsch – Knüpfen am gemeinsamen Netz“

Am 25. Oktober 2012 haben sich in Bielefeld Experten im Rahmen eines Fachtages des IQ-Netzwerks NRW über das Thema „Berufsbezogenes Deutsch“ ausgetauscht. Die Dokumentation des Fachtages können Sie hier herunterladen.

 

Dokumentation des Projekts “komma-NRW”

Die Dokumentation des Projekts “komma-NRW” können Sie hier herunterladen.

 

Abschlussdokumentation des Projekts “komma-NRW”

Die Abschlussdokumentation des Projekts “komma-NRW” können Sie hier herunterladen.

 

Schlussbericht „Arbeitsplatz als Sprachlernort“

Mit dem Teilprojekt „Arbeitsplatz als Sprachlernort“ wird das Modellprojekt komma-NRW vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung, Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) wissenschaftlich begleitet. Dabei wurden Lernende, die firmeninterne Deutsch-als-Zweitsprache-Kurse besuchen, Verantwortliche in den entsprechenden Betrieben sowie Lehrende und Planende bei den Bildungsanbietern, die an Angeboten des Projekts komma-NRW beteiligt sind, mittels qualitativer problemzentrierten Interviews befragt. Hier können Sie den Schlussbericht von Dr. Veronika Zimmer lesen.

 

Foto-Ausstellung: “Nicht verstehen ist wie blind sein”

20 Gesichter mit geschlossenen Augen unterstreichen eindrucksvoll, wie bedeutsam die Kommunikation im Arbeitsleben ist, für den Einzelnen und für alle Beteiligten. 20 Porträts zeigen, wie nahe Wort – Hilflosigkeit im Arbeitsleben beieinanderliegen können. Der Fotograf Veit Mette ist seit mehr als 20 Jahren als Fotograf und Fotojournalist weltweit unterwegs und publiziert in Magazinen wie Stern, Geo, Die Zeit. Seine künstlerischen Arbeiten veröffentliche er zudem in Zahlreichen Büchern und Ausstellungen. Die Fotos können als Ausstellung ausgeliehen werden.